Schneeschuhe

Schneeschuhwanderung über die halbe Rax

Lange, wunderschöne Frühjahrswanderung mit Schneeschuhen auf der Rax. Durch die Schlucht auf das Plateau, ein sehr ausgesetzter Abstieg, Sonne, Schnee – alles dabei!

Anreise

Unter der Woche und samstags ist die Anreise mit dem Linienbus direkt zum Einstieg in den Kesselgraben möglich. Derzeit fährt am Samstag ein Bus, der um 8:40 dort ankommt. Am Sonntag gibt es keine Verbindung.

Siehe auch Fahrplan Anreise und Rückfahrt hier im Beitrag (über und unter der Karte mit dem Tourentrack). Abhängig von deiner Bildschirmbreite sind diese Elemente entweder neben oder unter diesem Text zu finden.

Weichtalhaus

Da wir uns aber erst im Laufe des Samstags zu dieser Tour entscheiden, fahren wir mit dem Zug nach Payerbach-Reichenau und mit dem Taxi (+43266652291) um EUR 25,- zum Weichtalhaus. So sind wir zeitlich flexibel und können uns die Anreise so einteilen, dass wir im Weichtalhaus noch Abendessen können, bevor die Küche um 19:30 schließt.

Das Weichtalhaus wurde erst im Jahr 2015 neu gebaut und ist daher recht modern. Ich bin immer wieder begeistert, wenn es in einer Hütte Duschen gibt!

Ab 7:00 gibt es Frühstück und um 8:00 machen wir uns abmarschbereit.

Vom Weichtalhaus gehen wir 20 Minuten auf der Bundesstraße stromaufwärts bis zur Bushaltestelle Kesselgraben. Wir gehen etwa zur gleichen Zeit in den Kesselgraben hinein, zu der wir am Samstag hier gewesen wären, wenn wir um 8:40 mit dem Bus angekommen wären. Insofern kann ich sagen, dass diese Tour auch mit der Busanreise am selben Tag funktioniert.

Grosser Kesselgraben

Ich kann mir die Tour durch den Kesselgraben im Winter sehr gut als Skitour vorstellen (wie z.B. auf Alpenvereinaktiv.com beschrieben). Jetzt, Anfang April – nach einem doch schneereichen Winter – liegen aber die ersten 500 Höhenmeter kein Schnee mehr. Wir tragen auch hier unsere Schneeschuhe – allerdings ist mir das Gehen in Bergschuhen schon deutlich sympathischer, als mit Skischuhen.

Einstieg in den Kesselgraben
Einstieg in den Kesselgraben
Beschilderung vor dem Kesselgraben
Beschilderung vor dem Kesselgraben
Seidelbast im Kesselgraben
Seidelbast im Kesselgraben
Erster Teil im Kesselgraben noch ohne Schneeschuhe
Erster Teil im Kesselgraben noch ohne Schneeschuhe

Ab Seehöhe 900m beginnen die ersten Schneefelder. Teilweise sind diese hier herunten komplett mit Laub bedeckt. Dadurch weiß man nicht, ob der nächste Schritt unter dem Laub auf Erde, Stein oder Schnee führen wird. Als Zusatzüberraschung ist auch das Einbrechen im Schnee möglich!

Unter den Blättern liegt Schnee
Unter den Blättern liegt Schnee
Ohne Schneeschuhe kann man plötzlich tief einbrechen
Ohne Schneeschuhe kann man plötzlich tief einbrechen

Ab 1.000 m Seehöhe ist die Schneedecke so weit durchgängig, dass wir unsere Schneeschuhe anlegen. Das Gehen wird damit sofort deutlich leichter. Anders als mit Tourenski ist es für uns völlig egal, ob über dem Schnee noch Blätter, kleine Äste oder Steine liegen.

Ab und zu gibt es Stellen, die abgetaut sind. Hier schnallen wir auch nicht ab, sondern gehen die wenigen Meter halt vorsichtig drüber. Meistens wählen wir eine Route abseits des Weges am Schnee.

Die aufwändig angelegten Wegserpentinen kürzen wir auch direkt ab. Durch den Schnee ist das sehr einfach möglich, weil der Frühjahrsschnee weich ist, trotzdem gut hält und alle Hindernisse wie Steine, Felsen und Pflanzen überdeckt.

Kesselgraben
Kesselgraben
Im oberen Drittel des Kesselgrabens beginnt wieder Wald
Im oberen Drittel des Kesselgrabens beginnt wieder Wald

Die Gloggnitzer Hütte liegt auf 1.550 m Seehöhe. Wir nehmen einen kleinen Umweg über den Edelweißkogel und haben damit etwa 600 Höhenmeter mit den Schneeschuhen hinter uns gebracht.

Zur Gloggnitzer Hütte geht es zuerst flach, dann leicht bergab hinüber.

Schneeschuhwandern am Raxplateau
Schneeschuhwandern am Raxplateau

Durch den Kesselgraben, mit dem Abstecher über den Edelweißkogel, bis zur Gloggnitzer Hütte, waren wir 4 Stunden lang unterwegs.

Gloggnitzer Hütte

Kurz vor der Gloggnitzer Hütte
Kurz vor der Gloggnitzer Hütte

Die Gloggnitzer Hütte ist einfach bewirtschaftet und hat derzeit Samstag und Sonntag geöffnet.

Wir essen eine Spargel-Packerlsuppe mit einem Stück Brot in der Sonne. Der Tisch und die Bank sind schon ausgeschaufelt, zu der wir hinuntersteigen müssen, um uns hinzusetzen.

Wir schauen während des Essens direkt nach Süden in die Sonne und auf den Hang, den wir nachher hinaufsteigen müssen: Oben ist das Kloben Törl, mit 1.660 m Seehöhe für uns der höchste Punkt des Tages.

Gloggnitzer Hütte
Gloggnitzer Hütte

Heikler Teil: Abstieg vom Kloben Törl

Von der Gloggnitzer Hütte geht es recht rasch den Anstieg zum Kloben Törl hinauf.

Oben angelangt führt uns der der Weg Richtung Kloben Schacht. Er teilt sich ein Stück vor dem Absturz: Links geht es zum Hoyos- bzw. Rudolfssteig, halbrechts die versicherte Passage zur Wolfgang Dirnbacher-Hütte hinunter und nach rechts hinauf zur Scheibwaldhöhe, Dreimarkstein, Trinksteinsattel.

Das ist insofern relevant, als dass – neben Umkehren – dies die zwei Alternativen darstellen, wenn man über die Schneefelder nicht absteigen mag. Ist man zu später Stunde erst an dieser Stelle, bzw. schon am Ende seiner Kräfte, dann ist der Winterraum der Gloggnitzer Hütte eventuell ein attraktives Zwischenziel.

Abstieg vom Kloben Törl zur Wofgang Dirnbacher-Hütte
Abstieg vom Kloben Törl zur Wofgang Dirnbacher-Hütte
Dieser Abstieg ist der heikelste Teil des Tages
Dieser Abstieg ist der heikelste Teil des Tages

Der Schnee ist weich und gut zu steigen. Wenn es hier eine gefrorene Oberfläche gäbe, würde ich ohne Steigeisen weder hinauf und schon gar nicht hinunter gehen wollen. Auch mit Steigeisen würde ich mir beim ersten 50° steilen Teil den Abstieg zwei Mal überlegen. Wer hier bei harter Oberfläche ins Rutschen kommt, der kann sich nur wünschen an einem Baum hängen zu bleiben, weil es ab den Bäumen unten noch einmal deutlich steiler wird.

Ich persönlich kann solche Querungen, bei denen es gleichzeitig bergab geht, nicht so sehr leiden. Didi ist hier nervenstärker und spurt einmal voraus.

Es sind – im Nachgang auf der Karte gemessen – etwa 80 Meter, die man im steilen Gelände quert und gleichzeitig absteigt. Danach gehen wir in direkter Falllinie auf die Wolfgang Dirnbacher-Hütte zu. Die Schleifen, die der Weg hier eigentlich machen würde, sehen wir unter dem Schnee sowieso nicht.

Wolfgang Dirnbacher-Hütte
Wolfgang Dirnbacher-Hütte

Von der Gloggnitzer Hütte bis zur Wolfgang Dirnbacher-Hütte brauchen wir recht exakt eine Stunde.

Höllentalaussicht & Bergstation

Von der Wolfgang Dirnbacher-Hütte aus ist der Rest der Tour eine Kinderjause. Fast jeder Weg führt zum Praterstern – vorausgesetzt man findet den Weg. Aber das ist im Winter ja immer ein gewisses Problem. Wir entscheiden uns, dass wir an der Höllentalaussicht vorbei gehen wollen und den Praterstern rechts liegen lassen.

Ab der Höllentalaussicht sind seit diesem Jahr übrigens Schneeschuhwanderrouten ausgesteckt, so dass man sich hier wirklich nicht mehr verirren kann – nicht einmal bei Schlechtwetter!

Höllentalaussicht
Höllentalaussicht
Kurz vor dem Praterstern biegen wir weglos nach links ab
Kurz vor dem Praterstern biegen wir weglos nach links ab

Wir haben vor dem Verirren gar nicht so viel Angst. Schon gar nicht bei so schönem Wetter. Daher schlagen wir uns am Weg von der Höllentalaussicht noch vor dem Praterstern – das Ottohaus schon im Blick – nach rechts in die Büsche (die jetzt weitgehend unter dem Schnee liegen) und gehen, sehr ergonomisch das Gelände ausnutzend, unserem Tagesziel entgegen: der Raxseilbahn.

Diese ist mir heute schon sehr sympathisch, weil ich nach 7:30 Stunden nicht mehr zu Fuß hinuntergehen mag!

Bergstation Raxseilbahn im Blick
Bergstation Raxseilbahn im Blick

Von der Wolfgang Dirnbacher-Hütte bis zur Raxseilbahn sind wir wieder etwa eine Stunde unterwegs.

Heimreise

Kurz nach halb vier kommen wir bei der Bergstation an und kaufen uns ein Ticket für die Talfahrt um 16:00. Damit erreichen wir locker den Bus, der um 16:30 unterm Seilbahnparkplatz abfährt.

Am Bahnhof Payerbach-Reichenau kann man so noch im Kiosk etwas zu Trinken und/oder zu Essen einkaufen. Ich persönlich empfehle explizit nicht, dort etwas zu Essen zu kaufen. Obwohl ich meine eigene Empfehlung und die zugrunde liegenden Erfahrungen in Erinnerung habe, kaufe ich mir trotzdem eine Leberkäsesemmel, weil ich nach der Spargelcremesuppe wirklich dringend etwas Festes zu mir nehmen muss! Zusätzlich decken wir uns mit Dosenbier und Eistee ein und setzen uns in den Regionalzug, der um 16:50 Richtung Wien abfährt.

Fazit: Der Aufstieg durch den Kesselgraben hat Didi und mir sehr gut gefallen. Diesen Aspekt der Rax haben wir bisher nicht gekannt. Ist wirklich empfehlenswert!

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