Frühwinterwanderung auf den Pleschberg

Frühwinterwanderung auf den Pleschberg – mit Faltrad-Unterstützung auf An- und Abreise.

Die letzte Meile


Wer gerne mit den Öffis zu Bergwanderungen anreist, kann ein Lied davon singen: Nicht alle Touren-Ausgangspunkte sind mit Bahn oder Bus gut erreichbar. Doch wer will sich schon einen längeren Straßenhatscher am Beginn einer Tour antun – und noch einmal an ihrem Ende? Es ist genau diese vielzitierte „letzte Meile“, die dann doch den Ausschlag für eine Anreise mit dem Auto gibt. Zumal es nicht selten mehr als eine Meile ist, die da zwischen Öffi-Haltestelle und dem „eigentlichen“ Beginn der Tour liegt.

Sofern die Zufahrt von der Bus- oder Bahnstation zum Wander-Startpunkt nicht allzu lang oder steil ist, verwende ich in solchen Fällen sehr gerne mein Faltrad. Das kann ich in Bahn und Bus flexibel und kostenlos als Handgepäck mitnehmen. Es hat eine 8-Gang-Nabenschaltung, so dass sich auch leichte Steigungen ganz gut bewältigen lassen.

Bike…


Meine jüngste „multimodale“ Tour führt mich auf den Pleschberg bei Admont. Mit der Bahn reist man nach Admont, Frauenberg oder Ardning an, und hat dann zwischen 4 und 6 Kilometern Straße bis zum Beginn des Wanderweges vor sich. Ich wähle den Bahnhof Frauenberg, denn diese Bahnhaltestelle wird mit dem Fahrplanwechsel aufgelassen, weil sie kaum genutzt wird. Schade, denn direkt vom Bahnhof aus kann man eine schöne Überschreitung des Dürrenschöberls nach Selzthal oder Rottenmann unternehmen. (Auch Admont ist mit dem Zug nur an Wochenenden und Feiertagen erreichbar, wobei es nur eine einzige – allerdings sehr gute – An- und Abreiseverbindung gibt. Lediglich Ardning, das an der Pyhrnbahn liegt, ist gut und regelmäßig an das Bahnnetz angebunden.)

© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé

In Wien hat es über Nacht ein paar Zentimeter geschneit, und so verfrachte ich mein Faltrad in der Früh in die Straßenbahn und dann in die U-Bahn, und fahre so nach Meidling. (Fahrkarte brauche ich keine, denn ich habe eine ÖsterreichCard, mit VorteilsCard wären für Hin- und Rückfahrt jeweils 21,80 Euro zu berappen.) Von Meidling geht es um 7:02 Uhr mit dem Railjet nach Amstetten. Glücklicherweise kann ich im Zug gut ruhen, und höre auch immer meinen Handy-Wecker, wenn er wenige Minuten vor Ankunft läutet. So auch diesmal. In Amstetten 11 Minuten Umsteigezeit – da kann ich in der Bäckereifiliale im Bahnhof noch meinen Proviant aufstocken. Weiterfahrt mit dem Gesäusezug um 8:05 Uhr. Ich bin immer noch etwas ruhebedürftig. Aber eine gute halbe Stunde später – der Zug rollt inzwischen von Oberland ins Ennstal hinunter – ist Frühstückszeit. Es folgen die üblichen Tourenvorbereitungen, dann aber heißt es aus dem Fenster hinauszuschauen, denn der Zug fährt nun mitten durch das Gesäuse. Tiefwinterlich präsentieren sich die Nordwände von Planspitze und Hochtor. Pünktlich um 10:10 Uhr erreicht der Zug den Bahnhof Frauenberg, der auf 634m Seehöhe liegt. Auf einer geräumten Nebenstraße radle ich zum Ort Frauenberg, zuerst ennstalaufwärts, dann den Talboden querend und schließlich hinauf in den Ort. Die Abzweigung zur bekannten Wallfahrtskirche bleibt rechts liegen, ich rolle – nun wieder eben – an einem Naturbad vorbei, im Sommer kann man sich hier nicht nur schwimmend, sondern auch mit deep water soloing sowie auf einer Slackline vergnügen. Nach dem Badesee ein erster Wegweiser Richtung „Plesch“, der mich nach links auf ein Asphaltsträßlein lotst. Bei der zweiten Verzweigung auf 725m Seehöhe stelle ich mein Rad ab, denn hier muss ich nach rechts in eine nicht geräumte Forststraße abbiegen, auf der aber eh auch Fahrverbot herrscht.

… and Hike


Durch die Südflanke des Plesch wandere ich nun weiter bergwärts, im unteren Teil erleichtern Traktorspuren im 5-10 cm hohen Schnee das Vorankommen. Zwei Mal kann man Forststraßenkehren auf Waldwegen abschneiden. Ab 1180m Seehöhe verläuft der Anstieg auf einem Steiglein. Hier liegen 20-40 cm Schnee, und ich habe Glück, dass heute schon jemand diesen Anstieg gespurt hat. Am Gottsbacher Kreuz, das sich etwa 20 Gehminuten unterhalb des Gipfels befindet, habe ich dann Gelegenheit, mich bei einer Frau, die mir – begleitet von zwei Hunden – entgegenkommt, für das Spuren zu bedanken.

© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé

War es am Beginn der Tour noch bedeckt, so beginnen die Wolken ab Mittag ein wenig aufzulockern. Allerdings nicht schnell genug. Als ich den Gipfel (1720m) am frühen Nachmittag erreiche, zeigt sich nur ein kleiner Teil der umfassenden Aussicht, für die der Pleschberg bekannt ist. Das schöne Marterl am Gipfel und der Tiefblick in die Mühlau sind aber auch nicht zu verachten. Erst im Abstieg setzt sich die Sonne mehr und mehr durch, und der Blick zu den südlichen Gesäusebergen wird frei. Aber die Tage sind kurz im Frühwinter – und so leuchten nur mehr die Bergspitzen im allerletzten Sonnenschein, als ich wieder mein Fahrrad erreiche. Die Rückfahrt zum Bahnhof folgt der von der Anfahrt her bekannten Route. Ich habe noch eine Stunde Zeit, und so bleibe ich einige Male stehen, um die Eindrücke des ausklingenden Tages zu genießen. Inzwischen hat die Bewölkung weiter abgenommen, und in der einsetzenden Dämmerung zeigen sich das Gesäuse und die Haller Mauern in ihrer ganzen Schönheit, kurz kommt auch der Grimming ins Blickfeld, während erste vorabendliche Nebelschwaden vom Boden des Ennstals aufsteigen.

© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé
© 2018 Peter Backé

Rückfahrt


Die Heimreise nach Wien verläuft problemlos. Gute drei Stunden dauert die Zugsfahrt nach Meidling. Die Zeit vergeht „wie im Flug“, ich jausne, lese, klicke mich durch die Fotos, die ich geschossen habe, beantworte Emails und surfe auf meinen Lieblings-Webseiten – sowohl in der Regionalzuggarnitur nach Amstetten als auch im Railjet nach Wien gibt es WLAN. In Meidling angekommen, geht es mit U-Bahn- und Straßenbahn-Unterstützung weiter nach Hause.

Tourdaten

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