Der Norden des Hochschwabs

Diese Tour im „unbekannten“ Norden des Hochschwabs bietet sich wegen der langwierigen An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln als Teil einer Mehrtagestour an. Im Herbst empfehle ich diese Tour im Aufstieg, im Hochsommer – wegen der Getränkebrunnen – im Abstieg zu begehen!

Ich beschreibe hier den Aufstieg, den wir im Herbst durchgeführt haben – ab und zu mit Bildern vom Sommer im Abstieg durchsetzt.

Anreise


Kann man im Sommer ruhig etwas später anreisen, muss man im Herbst schon bedenken, dass die Tage kürzer sind. Um vor der Dunkelheit in der Hütte oder wieder herunten zu sein, empfehle ich die erste oder zweite Verbindung in der Früh zu wählen. Das bedeutet entweder am Wiener Hauptbahnhof kurz vor 6:00 oder kurz vor 7:00 abzufahren. Entsprechend früh muss man aufstehen.

Die Fahrt von Wien nach St.Pölten dauert nur 30 Minuten. Da zahlt sich ein Nickerchen fast nicht aus. Nach dem Umstieg in die Mariazellerbahn schaut das dann anders aus: Die „Himmelsleiter“ ist selbst zwei Stunden unterwegs, da kann man sehr schön noch eine Stunde schlafen und trotzdem die sensationell schöne Landschaft am Ende genießen.

Bahnhof Mariazell
Bahnhof Mariazell

Unser Taxi wartet bei der Ankunft der Mariazeller Bahn schon auf uns. Mitte 2018 hat es in der Steiermark anscheinend eine Taxireform gegeben. Seither kostet Taxifahren im gesamten Bundesland gleich viel und die Möglichkeit im Voraus einen Fixpreis zu vereinbaren ist weggefallen.

Wir fahren wieder mit Taxi Ortenburger und zahlen diesmal für die Strecke Bahnhof Mariazell – Forsthaus Weichselboden EUR 56,-. Bis zu sieben Personen können im Taxibus mitfahren, wodurch sich der Preis pro Person entsprechend reduziert.

Mit dem Taxi vom Bahnhof Mariazell nach Weichselboden
Mit dem Taxi vom Bahnhof Mariazell nach Weichselboden

Vom Forsthaus starten wir um 10:30 auf der Schotterstraße taleinwärts, Richtung Ring. Die zweite Möglichkeit, zur Edelbodenalm zu kommen, ist, auf der Westseite des Mieskogels auf der Forststraße aufzusteigen. Diesen Weg empfehle ich (wegen der Getränkebrunnen) im Sommer im Abstieg.

Edelbodenalm


Durch die vordere Höll kommen wir rasch durch, vorbei an einer kleinen Kapelle. Wie das religionsmäßig so zusammenpasst erschließt sich mir zwar nicht, landschaftlich ist die Höll aber sehr nett und das Kirchlein recht hübsch.

Dort, wo die Forststraße einen Linksbogen macht, steht ein hölzener Torbogen. An diesem geht man noch kurz links vorbei, um dann auf einem gut sichtbar ausgetretenen Pfad Richtung Miessattel nach rechts abzubiegen. Diesen Pfad wählen wir durch das hohe Gras, links vom Bächlein bleibend, um dieses nicht queren zu müssen.

Vor zwei Jahren war dieser Pfad noch schwer zu finden und Didi und ich haben einige Steinmänner geschlichtet. Ich bin wirklich überrascht, wie sehr der Weg inzwischen ausgetreten ist. Es gibt zwar immer noch keine offiziellen Markierungen, aber es gibt durchgängig und in wirklich engen Abständen rote Spraypunkte. Es scheint inzwischen ein beliebter Aufstieg geworden zu sein. Verständlich, weil es ein ausgesprochen schöner Weg ist.

Am Miessattel oben kommt man auf eine Lichtung und trifft auf eine Forststraße. Letzterer folgen wir bergauf, um die nächste Kehre nach links und dann gleich wieder von der Straße in den Wald nach rechts abzuzweigen.

Schließlich halten wir uns tendenziell links, um an den schroffen Felswänden des Edlen Kogels vorbei zu gehen und nach einem kurzen Anstieg über Almlandschaft die Edelbodenalm zu betreten.

Um 13:00 kommen wir bei den Hütten an – d.h. wir waren bisher 2,5 Stunden unterwegs.

Edelbodenalm im Herbst
Edelbodenalm im Herbst
Edelbodenalm im Sommer
Edelbodenalm im Sommer. Foto: Didi T.

Vor der südlichen Hütte steht ein großer Tisch mit zwei Bänken. Dieser lädt geradezu ein, dort eine Pause zu machen. Dieser Einladung leisten wir auch Folge und jausnen dort einmal ausgiebig.

Ich persönlich finde ja die Edelbodenalm wunderschön. Im Sommer ist es natürlich noch einmal deutlich schöner, wenn die ganze Alm im satten Grün strahlt und die Blumen blühen, aber in die Gelbtöne der Oktobersonne erscheint die Landschaft wie ein Geschenk, das man dem kommenden Winter abgerungen hat.

Weihbrunnkessel


Nach einer halben Stunde, also kurz nach 13:30 Uhr, brechen wieder auf. Der Weg führt von der Edelbodenalm gut markiert direkt nach Süden in den Wald. Hier geht es bis zu einem Aussichtspunkt recht steil durch den Wald bergauf.

Danach kommt ein kurzer Abstieg in ein großes Kar, das ausgegangen wird, während der Weg moderat steigt. 1h.

Der Weg führt im Bogen von links nach rechts durch das Kar. Foto: Didi T.
Der Weg führt im Bogen von links nach rechts durch das Kar. Foto: Didi T.

Am Ende des Kars kommen die steilsten Passagen des ganzen Anstiegs. Gleich zu Beginn einmal kurz ausgesetzt, geht es dann für 30-40 Minuten steil durch die Latschen bergauf.

Zwischen den Latschen geht es steil hinauf.
Zwischen den Latschen geht es steil hinauf.
Nach der Geländekante ist es deutlich flacher.
Nach der Geländekante ist es deutlich flacher.

Nach der Geländekante geht es nur mehr moderat steigend dahin.

Prinzipiell könnte man ab dieser Geländekante weglos direkt nach Süden abzweigen, um den Ringkamp direkter anzusteuern. Ich habe diese Variante selbst noch nicht ausprobiert, denke aber jedesmal wieder darüber nach, ob sich das nicht anbieten würde?

Am Weihbrunnkessel oben haben wir immer wieder Steinböcke gesehen. Abhängig von der Jahreszeit und der Witterung können sie auch im Ochsenreichkar gesichtet werden.

Steinbock
Ein beeindruckender Steinbock am Weihbrunnkessel. Foto: Didi T.

Von der Edelbodenalm bis zur Abzweigung auf den Ringkamp am Weihbrunnkessel muss man 2,5 Stunden einplanen.

Ringkamp


Der letzte Aufstieg auf den Gipfel des Ringkamp ist nicht schwierig und verläuft mäßig steigend am breiten Grat entlang. Es gibt oben auch kein Gipfelkreuz. Warum man da unbedingt hinauf sollte, ist auch gar nicht so sehr der Rundumblick in die Ferne – der ist auch sehr schön – wie der beeindruckende Tiefblick in den oberen Ring.

Oberer Ring
Blick vom Ringkamp in den Oberen Ring. Foto: Didi T.

Für den Aufstieg am Grat muss man noch einmal mit 30 Minuten rechnen.

Insgesamt summiert sich dann schon Einiges an Höhenmetern und vergangener Zeit. Von Weichselboden bis auf den Gipfel des Ringkamps sollte man 5 bis 6 Stunden einplanen (inklusive Pausen und abhängig von der eigenen Geschwindigkeit).

Ringkamp
Abstieg vom Ringkamp Richtung Westen mit Blick zum Hochschwab. Foto: Didi T.

Touren Empfehlungen


Wirklich ambitionierte Wanderer können den Aufstieg von Weichselboden auf den Ringkamp oder den Hochschwab und wieder zurück natürlich in einem Tag schaffen. Ich persönlich finde das halt nicht sehr entspannend. Daher empfehle ich zum Beispiel eine Übernachtung im Schiestlhaus. Um zum Schiestlhaus zu kommen, biegt man am Weihbrunnkessel nach Westen ab.

  • Der zweite Tag kann mit einer Besteigung des Hochschwab Gipfels starten.
  • danach ist ein Abstieg nach Osten über die Aflenzer Starizen möglich,
  • nach Westen und über Häusalm zum Bodenbauer hinunter,
  • denselben Weg am Ringkamp vorbei wieder zurück,
  • über den Graf-Meran Steig entweder nach Seewiesen hinunter oder
  • über die Fölz nach Aflenz.

Die Voisthalerhütte wird im Jahr 2019 neu gebaut und steht für Übernachtungen in diesem Zeitraum nicht zur Verfügung.

Heimreise von Weichselboden

Die Anreise haben wir mit dem Taxi durchgeführt. Organisiert man sich einen Taxibus (wir fahren immer mit Taxi Ortenburger) können bis zu 7 Personen mitfahren und der Preis von EUR 55,- teilt sich entsprechend auf.

Getränkebrunnen
Getränkebrunnen
Ich empfehle diese Tour im Abstieg deswegen im Sommer, weil es auf der Nordseite schattiger ist und weil es zwei Getränkebrunnen gibt: Der erste ist an der Forststraße zwischen Edelbodenalm und Weichselboden, der zweite neben dem alten Feuerwehrhaus direkt in Weichselboden.
Gegen eine freiwillige Spande kann man sich ein kühles Bier oder ein alkoholfreies Getränk nehmen. Der Kapselheber hängt am Brunnen!

Bei der Heimreise von Weichselboden gibt es am Samstag die Möglichkeit, einen Rufbus zu nutzen. Wir haben das ausprobiert. Man muss halt spätestens eine Stunde vorher anrufen und reservieren. Das bedeutet etwas nach der Edelbodenalm – wenn man halt wieder Empfang hat. Die Kosten sind dann auch zu zweit tragbar, weil der Bus wahrscheinlich von öffentlicher Hand gestützt wird. Normalerweise gibt es eine Endstation in Mariazell – uns hat der Fahrer bisher jedesmal ohne Zusatzkosten direkt zum Bahnhof gebracht. Wichtig ist, dass man pünktlich an der Hauptstraße draußen stehen muss, weil der Rufbus nicht ewig warten kann.

Tourdaten

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