Vom Versagen am Berg

Ob im Internet, in Druckwerken, oder in Vorträgen: Entweder liest und hört man von Erfolgen, Gipfelsiegen und Ähnlichem, oder von Tragödien und Unglücken. Normales Versagen gibt es nicht in den Bergen. Entweder bist du ein Sieger oder an einem furchtbaren Unglück beteiligt.

Ich habe schon ganz wunderschöne Gipfelsiege für mich selbst erreicht und ich war glücklicherweise an keinem Unglück beteiligt. Ich hoffe das bleibt auch so.

Aber ich war auch schon oft am Berg und musste umdrehen. Manchmal recht bald, manchmal unterwegs, ab und zu direkt unter dem Gipfel.

Meistens bin ich kurz nach dem Umdrehen erleichtert, weil es mich aus einer schwierigen Situation befreit hat. Ob das ein Sturm war, der uns nur mehr kriechende Fortbewegung erlaubte, oder eine vereiste Wand mit Absturzgefahr – die Vernunft hat sich kurz vor dem Aufgeben durchgesetzt.

Wir sprechen dann oft kurz noch darüber und versichern uns gegenseitig, dass es besser war umzukehren, als unnötig etwas zu riskieren.

Im Tal unten, oder am nächsten Tag, verspüre ich dann aber ein seltsames Gefühl, wenn mich wer fragt wie es war und sich eine Gipfelsiegesgeschichte erwartet. Ein Gefühl des Versagens stellt sich dann bei mir ein, wenn ich darüber berichte, dass ich aufgegeben habe.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass das an mir liegt und in meinem Kopf halt so verdrahtet ist, dass ich es als Versagen empfinde.

Wo sind dann aber die vielen Berichte über erfolglose Besteigungen? Über abgebrochene Wanderungen?

Ich glaube: Das Versagen interessiert halt auch nicht wirklich.

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