Vollmondwanderung

Ich kann nicht sagen, dass ich schon alle Aufstiege auf die Rax kenne. Aber oben ist es halt trotzdem immer gleich.
Daher gehen wir jetzt einmal in der Nacht über die Rax – da wirkt es ganz anders!

Wir haben diesen Tag gewählt, weil uns heute der Vollmond den Weg erhellt und wir weitgehend ohne Stirnlampen gehen können.

Wir starten vom Preiner Gscheid und gehen dann an der vorderen Kante entlang zur Seilbahn.

Anreise


Der Zug fährt um 20:58 Uhr am Wiener Hauptbahnhof ab. Umstieg in Wiener Neustadt. Ankunft Payerbach-Reichenau 22:08.

Da der letzte Bus auf das Preiner Gscheid schon am Nachmittag hinauffährt, fahren wir zum Bahnhof Payerbach-Reichenau und lassen uns dann mit dem Taxi auf das Preiner Gscheid hinaufführen. Das kostet uns mit dem Taxi „Flackl-Wirt“ (+43266652291) EUR 35,-.

Der Fahrer des Taxis ist höchstamüsiert über unsere Absicht. Ich glaube, es ist das erste Mal, dass er kurz vor 23:00 zwei Typen zum Preiner Gscheid hinaufführt.

Vollmondwanderung


Wir packen unsere Sachen zusammen und gehen los. Wir wollen so viel wie möglich ohne Stirnlampen gehen, weil der Vollmond alles schön ausleuchtet.

Da wir aber auch nichts riskieren wollen, gehen wir den Schlangenweg hinauf.

Bevor wir am unteren Ende des Karlgrabens vorbei gehen, sehen wir schon, dass oben dichter Nebel herrscht. Der Wind scheint oben deutlich stärker als herunten zu sein. Wir vereinbaren daher im Falle schlechten Wetters wieder zum Waxriegelhaus abzusteigen und über den Göbl-Kühnsteig direkt zur Neuen Seehütte hinüber zu gehen. Glücklicherweise brauchen wir diese Alternative nicht.

Am oberen Ende des Schlangenwegs bestätigt sich jedenfalls unser Verdacht, dass oben Sturm herrscht. Daher adaptieren wir unseren Plan und lassen die Heukuppe aus. Ich war schon einmal (im Juni) während eines Schneesturms auf der Heukuppe. Das hat mein Mütchen gekühlt.

„Gekühlt“ sind wir aber auch schon im oberen Teil des Schlangenwegs. Der Wind senkt die Temperatur derart, dass wir fast alles anziehen, was wir mithaben.

Wir gehen extra Wege, die auch in dervDunkelheit leicht zu finden sind.

Wir gehen extra Wege, die auch in der Dunkelheit leicht zu finden sind.

Wir gehen unterhalb des Predigtstuhls vorbei, zum Trinksteinsattel hinüber. Von dort geht es hinunter (an zwei pechschwarzen Alpensalamandern vorbei) zur Neuen Seehütte. Wir setzen uns dort ganz leise in eine windgeschützte Ecke und jausnen einmal. Bevor wir aufbrechen, ziehen wir uns auch noch alle anderen Kleidungsstücke an, die wir mithaben – inklusive langer Unterwäsche. Es ist uns richtig kalt. Wird schon auch damit zu tun haben, dass wir jetzt gegen 2:30 Uhr in der Früh schon etwas müde sind.

Das rote Licht erlaubt es den Augen schneller wieder auf Dunkelheit umzustellen

Das rote Licht erlaubt es den Augen schneller wieder auf Dunkelheit umzustellen.

Von der Neuen Seehütte aus steigen wir auf den Gipfel der Preinerwand hinauf um von dort den Kammweg bis zum Ottohaus zu gehen.

Dem Regenschutz meines Rucksacks geht es nicht schnell genug – er überholt mich rechts, vom Sturm heruntergerissen. Den Bruchteil einer Sekunde später ist er in der Dunkelheit – Richtung Abgrund – verschwunden.

Am Fuße des Haidsteigs liegt jetzt eine schwarze Deuter Rucksack-Regenhülle. Ist meine. Bitte mitnehmen und mich kontaktieren. Danke!

Gipfel Preinerwand

Gipfel Preinerwand

Eine halbe Stunde brauchen wir von der Neuen Seehütte auf die Preinerwand hinauf. Für ein Gipfelfoto nehmen wir uns noch Zeit, auch der Eintrag in die Peakhunter App am Handy muss noch sein. Letzteres ist schmerzhaft, weil sich mein Handy nicht mit Handschuhen bedienen lässt.

Eine weitere Stunde stolpern wir durch die Dunkelheit. Wir sind jetzt schon halbwegs müde. Unsere Konzentration sinkt. Zusätzlich ist es furchtbar rutschig. Wir gehen daher nur mehr mit eingeschaltener Stirnlampe.

Bei einem solchen Wetter trage ich normalerweise meine Sonnenbrille – auch wenn die Sonne nicht direkt scheint. Der zusätzliche Schutz vor dem Wind ist für die Augen einfach angenehm. Aus naheliegenden Gründen nutze ich diesen Schutz jetzt nicht. Entsprechend geschwollen sind meine Augen in der Früh…

Um 4:30 Uhr erreichen wir das Ottohaus. Den Jakobskogel haben wir ignoriert. Wirkte einfach nicht mehr anziehend auf uns heute.

Beim Ottohaus gibt es einen Winterraum – so weit kommen wir jedoch gar nicht. Der Vorraum ist geöffnet. Drinnen hängt Didi seine Stirnlampe im „Ambientmodus“ auf und wir jausnen noch einmal.

Rast im Vorraum des Ottohauses

Rast im Vorraum des Ottohauses

Danach legt sich Didi kurz hin und ist nur Sekunden später eingeschlafen. Ich lehne mich in die Ecke der Sitzbank und döse auch weg.

Um 6:20 Uhr stehen wir kurz auf um den Sonnenaufgang anzuschauen. Ich habe überhaupt keine Lust in die kalte Morgenluft hinaus zu gehen – zwinge mich aber dazu und schieße ein paar Fotos. Didi legt sich nach der kurzen Fotosession auch wieder hin.

Kurz nach 7:00 Uhr wecke ich Didi, weil wir ja die erste Seilbahn um 8:00 Uhr nehmen wollen. Er setzt sich auf, bejaht meine Frage, ob wir losgehen sollen – ich ziehe mir meine Überhose wieder an und überlege mir, ob Didi wirklich schon losgehen möchte, als ich wieder Schnarchgeräusche aus seiner Richtung vernehme. Richtig eilig haben wir es ja noch nicht.

Schließlich machen wir uns doch auf den Weg zur Seilbahn. Ist ja nur 20min weit entfernt.

Am Weg zur Raxseilbahn

Am Weg zur Raxseilbahn

Mit der ersten Kontrollfahrt kurz vor 8:00 Uhr fährt das Seilbahnpersonal herauf. Wir kaufen unser Talfahrtticket (als Mitglied des Alpenvereins um EUR 2,- günstiger) um EUR 13,50.

Rückfahrt


In der Seilbahn Gondel rufen wir wieder das Taxi „Flackl-Wirt“ (+43266652291) an, um uns um EUR 15,- von der Raxseilbahn zum Bahnhof Payerbach-Reichenau führen zu lassen.

Die Alternative wäre gewesen mit dem Bus um 9:00 Uhr zu fahren. Da Didi aber arbeiten geht, ist es uns die EUR 15,- wert. Immerhin erreichen wir so sogar noch den Zug um 8:25 Uhr!

In Wiener Neustadt steigen wir in einen schnellen Railjet um. Dadurch sind wir 30min später schon in Wien Meidling.

Beim Halt in Wien Meidling gibt es die normale Aufregung/Unruhe durch die vielen Leute, die aussteigen möchten. Das ist sehr gut, weil dadurch wacht Didi auf, bemerkt, dass wir schon in Wien Meidling sind, wo wir beide diesmal aussteigen wollen und weckt mich auch auf.

Die Sonne scheint unendlich hell am Bahnsteig und ich bin sehr dankbar, als wir die Rolltreppe wieder hinunter fahren können. Didi fährt heim, um sich vor dem Büro zu duschen. Ich fahre heim, um mich vor dem Bett zu duschen.

Gute Nacht!

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Ein Kommentar

  • Regina Fleischmann

    Klingt ja sehr abenteuerlich;ist aber sicher einmal etwas anderes bei Vollmond die Rax zu erkunden…
    Das würde ich auch gerne einmal machen.. ..
    LG Regina

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