In 24h auf einen 3000er

Hangerer

Wir starten in Wien, besteigen einen leichten Tiroler 3000er und sind in weniger als 24h wieder in Wien zurück.

Was ist die Motivation so etwas zu tun?
Unsere ist: Einerseits Spaß und andererseits, dass wir es können!

Die Idee dazu stammt nicht von mir. Peter Backé hat auf www.gipfeltreffen.at darüber geschrieben, wie er so eine Tour gemacht hat. Ich war so beeindruckt, dass man auf eine solche Idee kommen kann und dass das möglich ist! Ich wusste sofort: Das mach ich auch!

Ich habe mich also auf die Suche nach einer eigenen Tour gemacht und alles entsprechend aufgeplant. Wir wären mit dem Zug nach Innsbruck gefahren. Von dort hätten wir das Carsharing Angebot von Zipcar in Anspruch genommen. Leider habe ich jetzt vor Kurzem auf ORF.at gelesen, dass Zipcar mit 1.8.2017 den Betrieb einstellt. Also habe ich keine neue Mitgliedschaft abgeschlossen, sondern mich kurzfristig auf die Suche nach einer Alternative gemacht.

Peter hat mir schließlich sieben alternative Möglichkeiten per E-Mail geschickt! Daraus habe ich mir den Hangerer ausgesucht. Danke Peter!

Anreise


Damit wir in der Früh losgehen können, starten wir um 23:00 von Wien mit dem Nachtzug nach Ötztal Bahnhof.

Ich zahle mit meiner Österreichcard EUR 6,- Aufschlag für den Nachtzug, der reservierungspflichtig ist.

Mit und ohne Vorteilscard zahlt sich bei dieser Distanz ein günstiges Sparschieneticket aus. Da Sparschienetickets nur bis 3 Tage vor der Abfahrt gekauft werden können, muss man die Ersparnis dem Risiko (Wetter, etc.) gegenüberstellen, dass man vielleicht nicht fährt. Gleiches gilt für die Rückfahrt.

Didi kauft sich nur für die Hinfahrt ein Sparschieneticket um EUR 40,-. Das Rückfahrtsticket kaufen wir vor Ort, weil wir nicht wissen, ob wir rechtzeitig zum Bus zurück kommen werden.

Der Zug ist gerammelt voll. Ich sehe uns schon die ganze Nacht in den 6er Anteilen aufrecht sitzen. Überraschenderweise steigen aber einige Passagiere aus, die auf Plätzen gesessen sind, die sie gar nicht selbst reserviert hatten. Um es kurz zu machen: Wir schlafen zu viert halbwegs angenehm in dem 6er Abteil.

Tipp: Wer sicher seinen Schlafplatz benötigt, sollte sich im Liegewagen ein Bett reservieren und den Aufpreis in Kauf nehmen.

Um 5:48 kommen wir in Ötztal Bahnhof an und müssen etwas mehr als 30 Minuten warten bis der Bus 4194 nach Obergurgl kommt.

Die Fahrt nach Obergurgl dauert noch einmal 1,5h und kostet EUR 10,20.

Tipp: Wer ab 3 Tage bleibt, sollte sich die Ötztal Card anschauen. Da zählt man für den Bus nichts mehr extra.

Um 7:48 steigen wir schließlich bei der Endstation Obergurgl Zentrum aus.

Die Anreise hat bisher also nicht einmal 9 Stunden gedauert. Ein Katzensprung quasi. Da ich doch die meiste Zeit in Bahn und Bus geschlafen haben, fühle ich mich recht ausgeruht.

Hangerer


Nachdem wir alles justiert und angezogen haben – es ist ziemlich frisch – gehen wir Punkt 8:00 los.

Da die Wiesen klatschnass sind, gehen wir die Schotterstraße der Seilbahn (auf die Hohe Mut) entlang.

Eine Stunde später gehen wir an der Schönwieshütte vorbei und über die letzte Wiese zum Fuß des Hangerer hinüber.

In der Früh ist der Gipfel des Hangerers noch im Nebel.

In der Früh ist der Gipfel des Hangerers noch im Nebel.

Der Aufstieg ist von der Hütte aus mit 2,5h angeschrieben. Der Weg ist am Wegweiser mit einem schwarzen Punkt markiert – ich sehe aber keine großen Schwierigkeiten beim Aufstieg. Es ist weder ausgesetzt, noch übermäßig steil.

Dem "Halsl" entlang hinauf

Dem „Halsl“ entlang hinauf

Wir haben uns im Vorfeld den Wetterbericht angeschaut und wussten vorher schon, dass es in der Früh mit -2°C kalt sein würde. Dementsprechend haben wir unsere Ausrüstung gewählt.

Das Gipfelkreuz schon in Sicht, kommt uns eine Ziegenherde entgegen.

Das Gipfelkreuz schon in Sicht, kommt uns eine Ziegenherde entgegen.

Die letzten Höhenmeter des Hangerers sind steil und recht zerklüftet.

Die letzten Höhenmeter des Hangerers sind steil und recht zerklüftet.

Von der Schönwieshütte brauchen wir 2h bis auf den Gipfel. Von Wien Hauptbahnhof 12h.

Hangerer Gipfel. 12h von Wien Hauptbahnhof entfernt.

Hangerer Gipfel. 12h von Wien Hauptbahnhof entfernt.

Leider ist um 11:00, als wir am Gipfel ankommen, der Nebel rundherum sehr dicht. Ich habe mich schon die ganze Zeit darauf gefreut mit meiner neuen 360° Kamera ein schönes Panoramafoto machen kann. Das ist mir nicht vergönnt.

Didi macht den Gipfelbucheintrag, damit die nachfolgenden Bergsteiger wissen, dass wir mit unserer 24h Challenge gut im Plan sind. Werbung für Bahn zum Berg macht er auch gleich. Finde ich gut.

Ursprünglich wäre unser Plan gewesen nach dem Mittagessen in der Hütte auf die Hohe Mut hinaufzugehen. Da wir jetzt von oben hinüber schauen können, verwerfen wir diesen Plan, da die Seilbahn das dominierende Element des Berges darstellt und uns nicht besonders reizt.

Damit haben wir jetzt viel Zeit und gehen gemütlich wieder hinunter, noch kurz auf den Schönwieskopf hinter der Hütte hinauf und sind so um 13:30 in der Schönwieshütte.

Schönwieshütte


Die Schönwieshütte ist gut angelegt – mit einer wunderschönen Aussicht auf das Tal der Rotmoosache.

Schönwieshütte mit Rotmoosache

Schönwieshütte mit Rotmoosache

Blick von der Schönwieshütte die Rotmoosache hinauf

Blick von der Schönwieshütte die Rotmoosache hinauf

Wir essen gemütlich zu Mittag und genießen die Sonne, die inzwischen herausgekommen ist.

Um 15:00 – nach 1,5h Mittagspause – brechen wir wieder Richtung Obergurgl auf.

Hinunter gehen wir aber den weitaus schöneren Weg durch den Zirbenwald. Dieser erlaubt zwischendurch auch immer wieder Wasserfälle der Rotmoosache zu betrachten.

Im Gegensatz zu in der Früh sind jetzt ganz schön viele Leute unterwegs.

Kurz vor 16:00 kommen wir in Obergurgl an und kaufen noch ein paar Kleinigkeiten für unterwegs beim hiesigen Spar ein.

Heimreise


Der Bus zurück nach Ötztal Bahnhof kommt rechtzeitig und fährt pünktlich um 16:15 ab.

Es ist fast der halbe Bus besetzt, was für mich überraschend ist, weil ich gewohnt bin mit fast leeren Bussen zu fahren. Ich finde es aber sehr gut, dass der Bus bier so gut angenommen wird!

Blick hinunter auf Schönwieshütte und Obergurgl.

Blick hinunter auf Schönwieshütte und Obergurgl.

In Ötztal Bahnhof haben wir nicht viel Zeit um vom Bahnhofsvorplatz zum Bahnsteig hinüber zu gehen. Didi hätte sich seine Fahrkarte am Automaten kaufen wollen – das geht sich nicht mehr aus!

Wir kaufen seine Karte über die ÖBB App am Handy, während der Zug schon einrollt.

Von 17:48 bis 22:30 schlafen wir immer wieder längere Strecken. Nicht nur die Wanderung hat uns müde gemacht – auch die Fahrt selber.

Glücklicherweise bleibt der Zug nach Tirol nur mehr in Salzburg, Linz und St.Pölten stehen – wodurch es auf mich zügiger, wenn auch nicht schneller, wirkt.

Fazit: Diese Tour hat uns beiden richtig Spaß gemacht! Und unser Ziel innerhalb von 24h einen Tiroler 3.000er zu besteigen haben wir auch erreicht!

Kann ich das weiterempfehlen? Naja, nicht wirklich. Von 24h verbringt man fast zwei Drittel der Zeit im Zug oder im Bus. Das ging mir mehr an die Substanz, als die Wanderung dazwischen.

Als nächstes probieren wir das über ein Wochenende verteilt. Da ist das Verhältnis zwischen An- und Abreise zu Bergzeit besser!

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Tourdaten

2 Kommentare

  • Siegfried EDER

    Obwohl die Anreise per Eisenbahn und Bus zu loben ist, finde ich einen derart verkürzten „Besuch“ eines Dreitausenders nicht richtig. Es ist rein das Gegenteil eines Langsam-Tourismus‘, der auch die Bewohner der Alpen einschließt. Auf diese Weise verkommen die Alpen zu einem Wegwerfprodukt.

  • Peter Backé

    Es freut mich, dass ich einen Beitrag dazu leisten durfte, Euch zu dieser Tour zu motivieren!

    Schade, dass es mit der Gipfelrundsicht nicht geklappt hat.

    Im Liegewagen wäre die Anreise wohl weniger strapaziös gewesen. Und, ja, auch wenn man die Anreise größtenteils „verschläft“ und auch auf der Rückfahrt ruhen kann, wird man normalerweise doch etwas länger vor Ort bleiben, wenn es einen schon einmal ins schöne Tirol verschlägt.

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