2.000 Höhenmeter

Gipfel Stadelstein

Wanderung von Eisenerz auf den Stadelstein. Optional zusätzlich über Hohe Lins zur Reichensteinhütte am Eisenerzer Reichenstein.

Didi und ich wollen ausprobieren, ob und wie wir eine Wanderung über 2.000HM schaffen.
Die Suchkriterien für unsere Tour waren:

  • Die Tour sollte am Ende der 2.000HM keinen Abstieg mehr umfassen.
  • Der größte Teil des Aufstiegs sollte am Stück am Anfang sein, dann ein Abstieg und der restliche Aufstieg.

Gefunden habe ich schließlich die Tour Eisenerz – Stadelstein – Hohe Lins – Reichensteinhütte (N) – Präbichl Pass.

Anreise


Das Ziel des heutigen Tages liegt in Eisenerz, Station Busbahnhof. Von Wien Hauptbahnhof aus ist das immerhin 3:05h Fahrzeit entfernt.

Das wäre schon lang für eine Tagestour, weil hin und zurück summiert es sich dann ja auf 6h Fahrzeit.
Daher machen wir Touren mit so langen Anreisezeiten tendenziell als Zweitagestouren. Dadurch verteilt sich die Reisezeit auf beide Tage und befindet sich wieder in einem akzeptablen Bereich.

Da wir mit langer Gehzeit rechnen, nehmen wir die frühestmögliche Verbindung: Um 6:25 fährt unser Zug am Wiener Hauptbahnhof ab, in Leoben steigen wir um 8:25 aus. Mit dem Bus 820 um 8:39 fahren wir bis Eisenerz Busbahnhof, wo wir um 9:30 aussteigen.

Eisenerz Busbahnhof

Eisenerz Busbahnhof

Stadelstein


Vom Busbahnhof geht es fast direkt nach Süden durch Eisenerz durch. Gibt einige schöne Häuser dort!

Bis zur Unterführung der Museumsbahn gehen wir auf der Asphaltstraße. Direkt danach biegen wir nach links in den Wald ab.

Der Weg ist gut zu erkennen, wenn auch noch nicht markiert. Ich glaube nicht, dass viele Leute direkt von Eisenerz aus auf den Stadelstein gehen.

Wir kommen schließlich zu einem Parkplatz, ab dem die Markierungen auf den Stadelstein durchgängig zu sehen sind. Ab hier scheint es eine beliebte Schitourenroute zu sein.

Bis zur Schafferalm gehen wir auf Asphalt- und Schotterwegen.

Bis zur Schafferalm gehen wir auf Asphalt- und Schotterwegen.

Gleich nachdem wir aus dem Wald vor der Schafferalm herauskommen, sehen wir einen Rehbock und ein Reh äsen. Sie flüchten erst als wir schon recht nahe sind.

Ab der Schafferalm wird es dann auch steiler.

Ab der Schafferalm wird es dann auch steiler.

Vom Hochtörl aus schraubt sich der Weg gegen den Uhrzeigersinn in einer Dreivierteldrehung bis auf den Gipfel hinauf.

Jetzt im Mai gibt es noch ein kleines Schneefeld, das zu queren ist. Die Stelle ist verhältnismäßig flach und daher problemlos zu gehen.

Letzter Aufstieg auf den Stadelstein.

Letzter Aufstieg auf den Stadelstein.

Gipfel Stadelstein

Gipfel Stadelstein

Von Eisenerz bis auf den Stadelstein sind wir inklusive Pausen recht genau 4h unterwegs.

Alternative Abstiege & Abbruchpunkte:

  • Die schnellste Abstiegsvariante ist über das Wildfeld nach Teichenegg und zum Bauer im Anger. Von dort entweder mit dem Taxi abholen lassen, oder nach Kalwang raus gehen.
  • Dieselbe Strecke wie Aufstieg retour nach Eisenerz.
  • Unser Abbruchpunkt ist das Hochtörl, wo wir vor 15:00 nach dem Stadelstein sein müssen, um weiter zu gehen.
  • Niedertörl, kurz nach Hochtörl, wäre auch ein guter Abbruchpunkt.
  • Große Scharte. Hinunter zur Museumsbahn und dieser entlang nach Eisenerz.

Hohe Lins & Theklasteig


Wir kommen um 14:30 am Hochtörl an. Von der Zeit her sind wir damit innerhalb des selbst gesteckten Rahmens. Wir fühlen uns gut, keine Schmerzen, keine Erschöpfungserscheinungen – wir entscheiden uns daher die zweite Etappe anzugehen.

Vom Gipfel des Stadelsteins aus haben wir die bevorstehende Route fast zur Gänze überblicken können. Das Reichensteinhaus schaut weit weg aus.

Der bevorstehende Weg: Hinten, in der linken Bildhälfte, die Reichensteinhütte.

Der bevorstehende Weg: Hinten, in der linken Bildhälfte, die Reichensteinhütte.

Wir haben am Weg im wesentlichen mit zwei Widrigkeiten zu kämpfen:

  1. Der Weg ist nicht immer gut erkennbar und teilweise verwachsen. Einmal biegen wir kurz falsch ab, erkennen den Irrtum aber nach wenigen Minuten. Es ist also weniger die Orientierung, als das Fortkommen: Teile sind verwachsen, durch die man sich durchkämpfen muss. Querungen sind abgerutscht. Dass zu dieser Jahreszeit noch Schneefelder vorzufinden sind, ist natürlich klar und zu erwarten.
  2. Ab 16:00 wird der Wind immer stärker. Dort wo es ohne Absturzgefahr hinauf geht, ist der Rückenwind sogar praktisch. Er ist nämlich so stark, dass er richtig anschiebt. Dort wo es allerdings am Grat entlang geht, oder am versicherten Theklasteig hinauf, sorgt der Wind für eine Instabilität, die wir an diesen Stellen nicht wollen. Ab und zu gehen wir in eine Kauerposition und warten, bis die starken Böen wieder nachlassen.
Der Weg ist nicht sehr stark begangen.

Der Weg ist nicht sehr stark begangen.

Vom Hochtörl bis zur Hohen Lins sind wir 2h unterwegs.

Blick von der Hohen Lins zur Reichensteinhütte. © Didi

Blick von der Hohen Lins zur Reichensteinhütte. © Didi

Der letzte Anstieg von der Großen Scharte führt steil über den versicherten Teil des Theklasteigs hinauf. Das ist uns sehr angenehm, weil wir damit viele Höhenmeter auf kurzer Strecke zurücklegen können und so schnell oben sind.

Wer den Weg mit Kindern geht, sollte sich schon Gedanken über Versicherungen, bzw. die Mitnahme eines Sicherungseils für die Kinder machen. Vorausgesetzt die lange Tour ist überhaupt etwas, das den Kindern zuzumuten ist!

Theklasteig

Theklasteig

Schließlich kommen wir am Reichhals oben an. Wir sind jetzt schon froh, der Hütte, unserem Tagesziel, so nahe zu sein. Wir haben mittlerweile alle Bekleidungsschichten angezogen, weil die Sonne nicht mehr wärmt und der Wind eisig ist.

Unseren Plan, noch schnell vor dem Abendessen auf den Gipfel des Eisenerzer Reichensteins hinüber zu gehen, haben wir irgendwo nach der Hohen Lins verworfen. Wir wollen nur mehr aus dem Wind raus und in die Hütte rein!

Vom Reichhals zur Reichensteinhütte hinüber.

Vom Reichhals zur Reichensteinhütte hinüber.

  Aufstieg Abstieg Distanz Dauer
Eisenerz – Stadelstein 1.350HM 50HM 10km 4,5h
Stadelstein – Reichensteinhütte 750HM 650HM 8km 4h
Gesamt Tag 1 2.100HM 700HM 18km 8,5h

Fazit: Wir sind mit uns an diesem Tag sehr zufrieden: Wir sind zwar müde, aber nicht komplett zerstört angekommen. Speziell, wenn ich mir überlege, dass ich vor wenigen Jahren noch eine Wanderung mit etwas über 1.000HM als mein natürliches oberes Limit angesehen habe. Andererseits habe ich zufälligerweise erst gestern einen Tourenbericht gelesen, der nebenbei erwähnt hat, dass seine Tagestour mit etwas über 3.000HM doch recht lang war. Insofern muss ich einmal mit Didi reden…

Reichensteinhütte


Reichensteinhütte

Reichensteinhütte

Wir sind die einzigen​ Übernachtungsgäste auf der Reichensteinhütte. Die beiden Hüttenwirte erzählen uns, dass viele Tagesgäste heroben waren, da sie dieses Wochenende die Hütte erst aufsperren, aber außer uns noch keine anderen Gäste übernachten.

Das ist insofern praktisch, weil wir damit die freie Wahl der Schlafplätze haben. Normalerweise mag ich ja lieber Zimmer. Ich lasse mich heute aber ganz gerne auf das Lager ein, weil die Argumentation dafür sehr einfach ist: Die Hütte ist noch nicht aufgeheizt. Es gibt einen Raum unterm Dach, da führt der Rauchfang durch. Dieser Raum ist warm. Das ist Lager I.

Um es kurz zu machen: Didi bezieht das Bett rechts vom Schornstein, ich links vom Schornstein.

In der Früh stehe ich kurz auf um das WC zu besuchen. Ich öffne die Türe – eine Wand aus Eisluft hat auf der anderen Seite der Türe gewartet – ich drehe wieder um und lege mich wieder ins Bett. So dringend muss ich gar nicht aufs Klo!

So ein Kamin macht eine Hütte unheimlich sympathisch!

So ein Kamin macht eine Hütte unheimlich sympathisch!

In der Früh bekommen wir unser Frühstück und im Wesentlichen dieselben Fragen noch einmal gestellt, die uns von den beiden Hüttenwirten (Vater und Sohn) schon bei der Ankunft gestellt wurden. Am Vorabend haben sie allerdings ausgenutzt, dass Frau Hüttenwirtin noch nicht Quartier bezogen hat. Daher war der „Ausschank-Eigenbedarf“, wie mir Gerhard Junior erklärt hat, über dem Durchschnitt. Später dürfen sie dann eh nicht mehr.

Schließlich machen wir uns bereit, in den Sturm hinaus zu gehen. Der Schneeregen, der die Fensterscheiben außen hinunter rinnt, wirkt nicht so einladend.

Wir wollen eigentlich noch auf den Gipfel des nahen Eisenerzer Reichenstein hinüber gehen – es ist aber so neblig und stürmisch, dass wir nach einem kurzen Versuch gleich absteigen. Die Eiskristalle, die uns mit 40-50km/h unsere Haut ganz Babypopo-glatt schmirgeln sind ein Grund dafür, der dichte Nebel ein anderer.

Präbichl Pass


Der Hüttenwirt hat uns erzählt, dass er den Weg über die Stiege ausgeschaufelt hat (!). Die drei steilen Schneefeldquerungen nach der Eisenleiter /-stiege sind dadurch wirklich angenehm zu queren! Insofern ist der erhöhte Eigenverbrauch vom Vorabend auch wieder irgendwie zu argumentieren.

Die letzten Schneefelder unten fahren wir auf den Schuhen ab, statt am Wanderweg zu gehen. Wird eher der letzte Schnee dieser Jahreshälfte gewesen sein.

Um die Ankunftszeit zum Bus gut auszupuffern nutzen wir den Präbichlhof für eine kurze Einkehr. Von dort aus braucht man bei moderatem Tempo 15min bis zur Bushaltestelle Präbichl Passhöhe. Um sicherzugehen, dass der Bus nicht vorbei fährt, 20min.

Alternative: Den schnellen Abstieg mussten wir diesmal wählen, weil ich am Abend in Wien mit meiner Freundin zu einer Veranstaltung gehen wollte. Um dafür fit zu sein, habe ich entsprechend Zeit eingeplant. Ohne diese Rahmenbedingung – und mit schönem Wetter – hätte sich nach einem Gipfelbesuch am Eisenerzer Reichenstein ein Abstieg über den Krumpensee nach Vordernberg angeboten. Bin ich schon gegangen – ist sehr schön!

Heimreise


Heimreise wie Anreise: Mit dem Bus nach Leoben. Ab dort mit dem Zug nach Wien.

Tipp: Der Spar im Bahnhof Leoben hat auch am Wochenende geöffnet!

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Tourdaten

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