Fadensteig – nichts für Kinder!

Dieser Weg führt nur in den Himmel.

Der Schneeberg ist ein toller Berg, mit sehr vielen Auf- und Abstiegsvarianten, der von Wien und Niederösterreich aus – auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln – sehr gut erreichbar ist. Der Fadensteig ist einer der schönsten Aufstiege. Nur eben nix für Kinder.

Edelweißhütte. © 2015 MH

Edelweißhütte. © 2015 MH

Was legitimiert mich überhaupt zu einer solchen Aussage?

  1. Ich bin den Fadensteig schon öfter im Aufstieg und im Abstieg gegangen.
  2. Ich habe zwei Kinder: Derzeit 15 und 9 Jahre alt.
  3. Ich kann mich erinnern, wie ich es als Kind empfunden habe.

Was also hat der Fadensteig (nicht), das mich zu der Aussage bringt, er wäre nichts für Kinder?

Zu Beginn hat er einmal alles, was eine Wanderung mit Kindern braucht: Abwechslung.

  • Wenn man will, kann man die ersten 300 HM mit dem Lift fahren und so die Tour verkürzen.
  • Dann geht es gleich einmal an der Edelweißhütte vorbei. Alle, die noch rasch etwas trinken, essen, aufs Klo müssen, können das tun.
  • Dann geht es durch den Wald.
  • Dann wird es alpin.
  • Schließlich eine Querung mit Stahlseil zum Anhalten und eine kurze Kletterstelle.

Bis dorthin ist der Fadensteig ein Traum für Kinder – weil abwechslungsreich.

Abwechslung am Fadensteig.

Abwechslung am Fadensteig.

Beim Ausstieg aus der Kletterstelle sind die lieben Kleinen jetzt klarerweise aber müde. Das wäre per se nachvollziehbar und man könnte mit einer Pause im Gras darauf reagieren. Tun ja auch viele.

Das Problem beginnt jetzt mit dem letzten Teil. Dieser macht immerhin die Hälfte der Aufstiegstrecke aus (Distanz, nicht in Höhenmeter). Ich persönlich kann diesen Teil nicht leiden – nicht zuletzt wegen der Kindheitserinnerungen an ähnliche Touren in Kärnten (ob Saualpe, Nockberge und Ähnliches): Man geht elendslang vor sich hin – dauernd gleichmäßig bergauf – es hört nicht auf und: Es führt nirgendwo hin! Man sieht kein Ziel, sondern immer nur Himmel vor sich! Man geht buchstäblich ins Blaue hinein, weil die Fischerhütte hinter und unter dem höchsten Punkt liegt und wirklich erst in letzter Minute zu sehen ist. Bis dahin ist nur Wiese, Berge rundherum und der Weg unter den Füßen zu sehen. Die Abwechslung ist dort verstorben.

In dieser Situation taucht von Kinderseite schon einmal die berechtigte Frage auf: „Wie lange dauert es noch?“ Die Antwort beschädigt die Kinderseele: „Wir sind gleich da.“ Sind wir nämlich nicht. Wir gehen jetzt auf diese große Wolke stundenlang weiter zu und wenn die weg ist, dann gehen wir einfach immer weiter auf den blauen Himmel zu!

Abstiegsvarianten

  • Der in diesem Beitrag beschriebene Abstieg über den Fleischer-Gedenkstein ist recht gemütlich. Am Anfang geht es den Stangen entlang, dann über eine Forststrasse. Der Vorteil dabei: Man kommt wieder direkt bei der Seilbahn heraus und kann sich wieder die letzten 300 HM sparen. Vom Sessellift Parkplatz fährt der Bus weg.
  • Eine schöne Alternative ist es von der Fischerhütte weiter zu gehen, entweder direkt hinunter zum Damböckhaus, oder schöner, über das Klosterwappen. Vom Damböckhaus zur Bergstation Schneebergbahn, dann die Schienen entlang (bzw. abkürzend) zur Station Baumgartner. Danach kommt die Adolf-Kögler Hütte, dort ins Mieseltal hinunter nach Schneebergdörfl und nach Puchberg. Ist recht lang.
  • Für Kinder ist die Variante mit der Schneebergbahn hinunter zu fahren eine gute. D.h. von der Fischerhütte, oder vom Klosterwappen über Damböckhaus zur Salamander Bergstation. Dadurch kommt man direkt nach Puchberg und kann gleich in den Zug umsteigen. Das muss aber mit der gewünschten Abfahrtszeit der Schneebergbahn gut geplant sein und es empfiehlt sich die Karten schon vorher zu kaufen (Schneebergbahn Ticketshop).

Ich habe am Weg zur Fischerhütte vor einiger Zeit einmal eine Familie mit einem kleinen Kind vor mir gehabt. Selbst vom parabolisch geformten Bergrücken emotional schon belastet, fühlte ich mit dem fremden Kind vor mir mit, das schon weinte, nicht mehr weiter wollte und dauernd fragte: „Wie lange dauert es noch?“

Das Kind ist schon zurückgefallen, seine Mutter weiter vorne, dreht sich um und sagt: „Es ist nicht mehr weit. Wir sind gleich da.“ In diesem Moment gehe ich an dem armen belogenen Kind vorbei und sage leise im Vorbeigehen zu ihm: „Sie lügt! Es ist noch urweit!“ Hinter mir bricht die Welt zusammen – die Mutter eilt zurück um herauszufinden was da plötzlich passiert ist – ich suche das Weite indem ich mich am scheinbar niemals endenden Bergrücken weiter bergauf schleppe.

Ich habe zu dem Kind im Vorbeigehen natürlich nichts gesagt. Der zweite Teil der Geschichte ist in meinem Kopf abgelaufen um mich bis zur Fischerhütte abzulenken. Aber es hätte so passieren können.

Dieser Weg führt nur in den Himmel.

Dieser Weg führt nur in den Himmel.

Dass es nicht nur abwechslungsreiche Streckenabschnitte gibt, dass man Kinder nicht dauernd bespaßen muss – ja sogar, dass sie lernen einfach nur durchzuhalten – das ist alles richtig. Man muss aber auch nicht unbedingt eine Route wählen, auf der der langweilige Teil dann kommt, wenn die Kinder schon müde werden.

Daher versuche ich mir folgendes in Erinnerung zu rufen:

  1. Mach eine Routenplanung!
  2. Denk dabei auch an die teilnehmenden Kinder und wie du es in deren Alter erlebt hättest!

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